Die unbeschriebenen Phänotypen der Gattung Chromaphyosemion

Bei diesen Typen handelt es sich um Chromaphyosemion, die in Farbe und/oder
Zeichnung von den bisher beschriebenen Fischen der Gattung abweichen.
Einige Mitglieder der Deutschen Killifisch Gemeinschaft (DKG) und befreundeter
Killifisch Organisationen haben den auf ihren Sammelreisen neu aufgefundenen
Phänotypen Nummern gegeben.
Chromaphyosemion, bei denen erst später erkannt wurde, dass sie keiner
beschriebenen Art angehören, wurde der Fundort und der Sammelcode angehängt
z. B. C. sp. “Campo HJRK 92/17“.
Die Typen Nr. 1,2,3 und 5 wurden inzwischen als C. poliaki, C. lugens
(Amiet, 1991), C. alpha (Huber, 1998) und C. kouamense (Legros, 1999)
beschrieben.
Ob einmal alle Phänotypen als valide Arten beschrieben werden können oder einer
bekannten Art zugeordnet werden bleibt abzuwarten. Die Zusammenfassung
einiger Typen zu einer Art ist ebenfalls vorstellbar.

Chromaphyosemion sp. 4

Im November 1992 sammelten Herzog, Jochim und Roth bei dem Dorf
Bibabivodou (Kamerun) im gleichnamigen Bach diesen Chromaphyosemion.
Der Fundort liegt im Campo Nationalpark an der Straße Campo – Afan Essokiè.
Die unpaaren Flossen dieses Typs sind vollkommen gleich gezeichnet. Auf grünem
Grund liegen zahlreiche regelmäßig angeordnete rote Punkte, auch zu den Flossen-
rändern sind keine Flammen zu erkennen.  Gerade die identische Musterung von
Anale, Dorsale und Caudale charakterisieren diesen Fisch
.

C. sp. 4 “Bitande”

C. sp. 4 “CMM 22” WF

EtwaigesVerbreitungsgebiet von
C. sp. 4

Chromaphyosemion sp. 6

Konkrete Hinweise auf diese  Spezies kamen erst 1992 von Herzog, Jochim undRoth.
Zwischen Akom II und Akok (Kamerun), an der Straße von Kribi nach Ebolowa,
sammelten sie diese von C. bivittatum und C. lugens abweichende Form. Leider
konnten damals die Fische nicht lebend eingeführt werden. Erst 1998 konnten
Kämpf; Eberl und Kliesch nach den Angaben von R. Roth diesen Phänotyp wieder
sammeln. Vlaming und Mitreisende sammelten bereits 1997 bei Akok Chroma-
phyosemion, die als C. lugens bzw. als C. aff. lugens angesprochen wurden.
Tatsächlich wird es sich aber um C. sp. 6 gehandelt haben. Im Zuge der KEK Reise
konnte dieser Typ an drei Fundorten nachgewiesen werden, südlich von Bipindi
wurde C. sp. 6 syntop mit C. loennbergii gefunden. Hierbei handelt es sich wahr-
scheinlich um den ersten Fundort an dem zwei Chromaphyosemion – Arten syntop
gefunden wurden. Gleichzeitig wurde durch dieses syntope Vorkommen geklärt,
dass C. sp. 6 und C. loennbergii nicht einer Art angehören können.

Von C. lugens unterscheidet sich C. sp. 6 durch die orange Färbung der Kehle und
die blaue Grundfarbe von Anale und Caudale. Die Dorsale ist überwiegend orange
gefärbt und mit roten Punkten und Flammen gezeichnet. C. lugens zeigt in den
unpaaren Flossen mehr gelblich-grüne Töne. Gegenüber C. bivittatum fehlt
C. sp. 6 der Schwanzwurzelfleck, der für alle Populationen dieser Art charakteris-
tisch ist. Die Caudale der erstgenannten Art ist im Kern unregelmäßig punktiert, nur
zu den äußeren Rändern sind Flammen zu erkennen. C. sp. 6 zeigt nur am Ansatz
der Caudale einige Punkte, sonst ist diese Flosse mit Flammen gezeichnet.

C. sp. 6 “KEK 98/12” WF

C. sp. 6 “KEK 98/9” WF

Kopfstudie

C. sp. 6 “KEK 98/10” WF

Etwaiges Verbreitungsgebiet von C. sp. 6

Fundort von C. sp. 6 “KEK 98/10”
Foto: Uwe Kämpf

Chromaphyosemion sp. 7

Bereits 1991 konnten Grell und Eberl südöstlich von Kribi, bei Njangadjo (Kamerun),
Chromaphyosemion mit einer fein punktierten Anale finden. Diese Tiere wurden als
C. splendopleure bestimmt und auch später so bezeichnet,obwohl nach Eberl (1996)
die Anale von C. splendopleure nicht oder nur basal punktiert ist.
In Bezug auf C. splendopleure ist diese Aussage vollkommen richtig. Weil aber
C. sp. aff splendopleure P.T. Dizangue nördlich von Kribi von C. loennbergii
abgelöst wird, ist es nicht logisch die südlich/südöstlich von Kribi vorkommenden
Chromaphyosemion zu C. splendopleure zu stellen.
1998 führten Kämpf, Eberl und Kliesch junge noch nicht gefärbte Chromaphyose-
mion als C. aff.splendopleure aus der näheren Umgebung von Nkolbonda unter dem
Sammelcode KEK 98/6 ein. Erst später zeigte sich, dass diese Fische keinesfalls zu
C. splendopleure gestellt werden können. C. sp. 7 unterscheidet sich in einigen
Merkmalen von allen anderen Chromaphyosemion als Ausnahme sei hierzu C. sp. 4
genannt.
Beide Typen ähneln sich in der Flossenzeichnung. Jedoch ist die Körperfarbe bei
C. sp. 7 wesentlich dunkeler grün, auch fehlen die gelblichen  Töne der Kehle und
des Vorderbauchs. Die untere horizontale Binde kann im Zustand der Erregung sehr
breit werden, während die obere Binde sich vollständig auflöst. Dieses Muster war
bis 2000 von keinem anderen Chromaphyosemion bekannt und scheint ein Zeichen
der Dominanz zu sein.
Die auf Bioko gesammelten Populationen GEMHS 42 und GEMHS 43 zeigen die
gleiche Bindenzeichnung, unterscheiden sich jedoch farblich von C. sp. 7 .

C. sp. 7 “KEK 98/6”

Etwaiges Verbreitungsgebiet von
C. sp. 7

Chromaphyosemion sp. Campo und Chromaphyosemion sp. Likado

In den Jahren 1996 und 1997 habe ich über viele der damals verfügbaren Chroma-
phyosemion Steckbriefe erstellt und darin die Richtigkeit der Zuordnung von Eberl
(1996) der 1992 bei Campo gefangenen Chromaphyosemion zu C. splendopleure
angezweifelt.
Damals war ich der Meinung, dass diese Tiere eine weitere Art sein könnten.
Heute scheint die Aussage bestätigt zu werden. Sonnenberg (2000) fasst die
Chromaphyosemion von Likado als grüngelben und die von Campo als grünblauen
Typ zusammen.
Die im Januar 2000 bei Mintom (östlich von Campo) und Mboro (nördlich von
(Campo) gefangenen Chromaphyosemion entsprechen im wesentlichen dem Typ
Campo, wie er bereits 1992 gesammelt wurde.

C. sp. Campo “HJRK 92/17”

C. sp. Likado “CSK 95/23”

Etwaiges Verbreitungsgebiet von
C. sp. Campo/Likado

Chromaphyosemion sp. 8

Amiet (1987) berichtet von zwei Populationen C. loennbergii, die er nördlich des
Verbreitungsgebietes von C. riggenbachi sammelte. Im Frühjahr 1999 konnten
van Huijgevoort, Lambert und Malumbres eine der Populationen sammeln.
Die Fundstelle lag oberhalb der Wasserfälle des Ekom im Verbreitungsgebiet von
Kathetys. C. sp. „HLM 99/1“ fehlen die typischen Merkmale des C. loennbergii
(blaue Caudale, orange/blaue Anale).

C. sp. 8 “Chutes d Ekom HLM 99/1”

Etwaiges Verbreitungsgebiet von
C. sp. “HLM 99/1”

Chromaphyosemion sp. Bioko

Nach fast dreißig Jahren konnten wieder Killifreunde Äquatorial Guinea und die
Insel Bioko bereisen und dort erfolgreich Killifische sammeln.
An vierzehn Fundorten in Äquatorial Guinea und drei weiteren Fundorten auf Bioko
konnten Malumbres, van Hujigevoort und San Juan Chromaphyosemion finden.

Geert van Hujigevoort überließ mir dankenswerter Weise einige Populationen.

Einigemale ging im Hobby das Gerücht um es seien Chromaphyosemion von Bioko
vorhanden. Doch stets erwiesen sich diese Fische als C. bitaeniatum aus kommer
ziellen Importen. Hier spielte wohl der Gedanke mit, die Fische von dort müssten
so oder ähnlich aussehen wie diese Art. Tatsächlich können die Tiere von Bioko
vom Erscheinungsbild her eher den Chromaphyosemion, wie sie im südlichen
Kamerun vorkommen zugeordnet werden.
Interessanterweise zeigen die Männchen der Populationen GEMHS 42 und
GEMHS 43 die gleiche Bindenzeichnung wie C. sp. 7, jedoch ohne mit dieser Art
näher verwandt zu sein.

C. sp. Bioko
“GEMHS 42” WF

C. sp. Bioko
“GEMHS 42” WF

Etwaiges Verbreitungsgebiet von
C. sp. Bioko

Chromaphyosemion sp. Rio Muni

Roman sammelte bereits 1966 und 1968 in der Küstenebene von Äquatorial Guinea
Chromaphyosemion.

Von diesen Tieren liegen nur schwarz-weiß Fotos des konservierten Materials vor.
Die gut zu erkennende Flossenzeichnung ließ den Schluss zu, dass es sich möglicher-
weise um C. sp. 4 handeln könnte. Bis 2000 waren keine weiteren Fundorte dieser
Art in Kamerun bekannt geworden. Anhand der vorliegenden Fotos wurde
vermutet, dass sich das  Hauptverbreitungsgebiet von C. sp. 4 in Äquatorial Guinea
befindet und die Fische von Bibabivodou nur geographische  Ausreißer seien.

Wenn die Flossenzeichnung der jetzt vorhandenen Populationen isoliert betrachtet
wird kann eine gewisse Übereinstimmung mit den Populationen von Bibabivodou
und Bitande festgestellt werden, farblich weichen die Rio Muni – Stämme erheblich
ab. Ohne die Populationen gleich in Phänotypen einzuteilen kann sicher festgestellt
werden, dass es sich bei der Population von Ecurrya II „GEMHS 41“ um einen
roten Typ und bei der Population „GEMHS 32“, die 4 Km nördlich von Ndyiacom
gesammelt wurde, um einen blauen Typ handelt.
Die exakte Zuordnung dieser Chromaphyosemion ist z. Z. noch nicht geklärt. Es
kann aber angenommen werden, dass sie mit C. sp. 4 und C. sp. Campo/Likado
eine Artengruppe bilden.

C. sp. Rio Muni
“GEMHS 41” WF

Konservierte Chromaphyosemion aus
Rio Muni

Etwaiges Verbreitungsgebiet von C. sp. Rio Muni

Zum
Seitenanfang

Chromaphyosemion sp. Bimbia

Diese 2002 von Gresens und Armbruster gesammelten Chromaphyosemion
bewohnen ein kleines hydrographisches System südlich von Limbe.
Nach dem Zusammenfluß entwässert es durch einen Mangrovenwald
ins Meer. Interessanterweise können die Männchen dieser Population die
gleiche Bindenzeichnung zeigen wie die Chromaphyosemion von Bioko und
C. sp. 7

Etwaiges Verbreitungs-
gebiet von C. sp. Bimbia.

C. sp. Rio Muni von “Loc. 47” WF

Nachtrag: Mai 2004

 Bereits 2001 konnten R. Sonnenberg und Freunde Chromaphyosemion
 sammeln, die im Phänotyp den Killis der Population “HLM 99/1” entsprachen.
Die Fundorte lagen südlich und südwestlich von Nkongsamba.
Leider gelang es damals nicht lebende Fische einzuführen. So konnten
 Untersuchungen nur an konserviertem Material vorgenommen werden. 
Im Herbst 2003 konnte Dr. Harald Kuhlmann, Mitglied der Sammelreise
von 2001, einen Fundort der damaligen Reise aufsuchen und Chromaphyosemion
lebend importieren. Die nun möglichen Vergleiche der lebenden Tiere sowie die Ergebnisse der vorangegangenen Untersuchungen zeigen eine nahe
Verwandtschaft der Populationen. Aus diesem Grund wurde C. sp. “HLM 99/1”
 dem Phänotyp C. sp. 8 zugeordnet.

Chromaphyosemion sp. 8 “Boko River KV 03/22”

Etwaiges
Verbreitungsgebiet von
C. sp. 8